Emissionszertifikate: Streit um die Zukunft der ETS-Marktreserve

2026-09-15

Das Parlament in Straßburg hat seinen Verhandlungsstandpunkt zur Überarbeitung der Marktstabilitätsreserve des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) mit 367 zu 240 Stimmen (bei 59 Enthaltungen) angenommen. Die Kommission hatte vorgeschlagen, die Löschung überschüssiger Zertifikate über 400 Millionen Stück vollständig abzuschaffen; die Europaabgeordneten entschieden sich stattdessen für einen moderateren Ansatz – sie erhöhten den Schwellenwert ab März 2027 auf 650 Millionen. Die Fraktionen EPP, S&D und Renew stimmten dafür, die Grünen/EFA waren dagegen, obwohl sich ein Großteil der Fraktion lieber der Stimme enthielt.

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Das Europäische Parlament in Straßburg hat seinen Verhandlungsstandpunkt zur Überarbeitung der Marktstabilitätsreserve (MSR) des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) verabschiedet. Dabei handelt es sich um einen Mechanismus, der seit 2019 Angebot und Nachfrage nach Emissionszertifikaten ausgleicht und ab 2023 Zertifikate, die über einen festgelegten Schwellenwert hinausgehen, dauerhaft löscht („ungültig macht“), damit auf dem Markt kein Überschuss entsteht.

Die Europäische Kommission hatte im April 2026 vorgeschlagen, diese Ungültigmachung vollständig abzuschaffen – Zertifikate, die über den bisherigen Schwellenwert von 400 Millionen Stück hinausgehen, sollten ihrer Ansicht nach in der Reserve als „Liquiditätspolster“ für künftige Marktschwankungen ab Mitte der 2030er Jahre verbleiben. Sowohl der Umweltausschuss (ENVI) als auch anschließend das Plenum wichen von diesem Vorschlag ab und entschieden sich für einen Mittelweg: Die Ungültigkeitserklärung bleibt bestehen, aber die Schwelle, ab der Emissionszertifikate ungültig werden, wird ab dem 1. März 2027 von 400 auf 650 Millionen Stück angehoben.

Das Plenum verabschiedete seinen Standpunkt in erster Lesung mit 367 zu 240 Stimmen, 59 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Es handelt sich um ein Verhandlungsmandat für den Trilog mit dem Rat, nicht um die endgültige Verabschiedung des Gesetzes.

In der Mitte des Parlaments herrschte Einigkeit: Die EVP (139 zu 36), die S&D (114 zu 14) sowie Renew (64 zu 9) – bei der S&D und Renew handelte es sich um ein sehr geschlossenes Abstimmungsergebnis, bei der EVP war die Zustimmung etwas weniger einheitlich. Die Grünen/EFA waren die einzige der vier demokratischen Fraktionen, die dagegen stimmten (8 : 13), wobei sich zudem ein erheblicher Teil der Abgeordneten der Stimme enthielt – dazu weiter unten. Berichterstatter des Berichts ist Pierfrancesco Maran (S&D); alle vier demokratischen Fraktionen hatten Schattenberichterstatter.

Die Position der Greens/EFA steht in interessantem Kontrast zur Abstimmung eine Woche zuvor im ENVI-Ausschuss, wo derselbe Kompromisstext von allen anwesenden Mitgliedern der Verts/ALE-Fraktion unterstützt wurde. Im Plenum gelang es der Fraktion als Ganzes nicht, sich auf ein klares „Ja“ zu einigen.

Auch alle drei rechtsextremen Fraktionen – ECR (17 : 58), PfE (6 : 66) und ESN (2 : 23) – stimmten geschlossen und koordiniert dagegen. Dennoch gehörten sie zu den Verlierern: Der Vorschlag wurde dank des Bündnisses aus EPP, S&D und Renew angenommen, nicht dank einer Allianz mit der extremen Rechten.

Die Gesamtwahlbeteiligung lag bei 92,9 % (666 von 717 besetzten Sitzen), was der üblichen Anwesenheitsquote bei Plenarsitzungen am Dienstag entspricht. Bemerkenswert ist das Verhalten der Greens/EFA und der Linken: Bei beiden Fraktionen (Teilnahmequote 92,5 % bzw. 88,6 %) entschied sich ein großer Teil der anwesenden Mitglieder – 57 % bei den Grünen/EFA und 59 % bei „Die Linke“ – für eine Stimmenthaltung anstelle einer klaren Ja- oder Nein-Stimme. Bei keiner anderen Fraktion lag der Anteil der Stimmenthaltenden über 12 %.

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